Berufsunfähigkeitsversicherung – Endalter mit 60?

    •  Risiken und Folgen BU-Endalter 60
    •  Verlängerungs-Optionen für flexiblen Schutz
    •  BU bis 67: So sicherst du dich lückenlos ab
Autor: Maximilian Waizmann - Experte Zahnzusatzversicherung

Maximilian Waizmann | Versicherungsfachmann BWV

Update: aktualisiert 27.05.2026

Auch wenn eine BU bis 60 zunächst attraktiv erscheint, birgt sie erhebliche Risiken. Sofern du überlegst, deine Berufsunfähigkeitsversicherung nur bis zum 60. Lebensjahr laufen zu lassen, ist das zunächst verständlich: Die Prämien sind niedriger, und viele gehen ohnehin davon aus, spätestens mit 60 in den Ruhestand zu gehen. Doch diese Entscheidung birgt erhebliche Risiken – ein zu frühes Vertragsende kann eine schwer schließbare Versorgungslücke reißen.

Im Folgenden erfährst du, warum meist eine BU-Laufzeit bis 67 Jahre (aktuelles Rentenalter) die bessere Wahl ist und wie du typische Fehlentscheidungen vermeidest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Endalter 60: Dein BU-Vertrag – und damit die Rentenzahlung – endet an deinem 60. Geburtstag
  • Versorgungslücke: Ohne BU-Schutz drohen dir zwischen 60 und dem regulären Rentenstart finanzielle Engpässe
  • Empfehlung: Schließe deine BU bis mindestens zum 67. Lebensjahr ab, um lückenlos geschützt zu sein

Warum ist es riskant, die BU nur bis 60 laufen zu lassen?

Ein BU-Endalter 60 kann im Ernstfall teuer werden, wenn die BU-Rente nach dem 60. Geburtstag endet, obwohl die Altersrente erst mehrere Jahre später beginnt.

Ohne ausreichend langes Endalter entsteht schnell eine große Versorgungslücke. Nach dem 60. Geburtstag fällt die private BU-Rente weg, du erhältst aber noch keine Altersrente. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente – sofern du darauf Anspruch hast – kann diese Lücke in der Regel nicht zuverlässig schließen, weil sie meist deutlich niedriger ausfällt und an zusätzliche Voraussetzungen geknüpft ist.

Im Ergebnis kann ein zu niedriges BU-Endalter deinen Lebensstandard erheblich gefährden. Bei einer BU-Rente von 2.500 € im Monat fehlen dir zwischen 60 und 67 rechnerisch mehr als 210.000 € Einkommen.

Zusätzlich solltest du genau auf die Formulierung im Vertrag achten. Manche Tarife unterscheiden zwischen Vertragsende und Leistungsende. Dann kann der Vertrag zwar nur bis 60 laufen, aber aber theoretisch bis 67 gezahlt werden. Entscheidend ist dafür, dass vor deinem 60. Geburtstag berufsunfähig wirst. Wirst du jedoch erst mit 61 berufsunfähig, besteht kein Anspruch mehr, weil der Vertrag bereits beendet ist. Deshalb ist nicht nur wichtig, wie hoch deine BU-Rente ist, sondern auch, wie lange die BU zahlt und bis zu welchem Alter dein Schutz tatsächlich gilt.

Fazit

Ohne BU-Schutz nach 60 stehst du im schlimmsten Fall ohne Einkommen da – eine gefährliche Wette auf deine Gesundheit.

Welche Argumente sprechen für Endalter 60 – und warum greifen sie zu kurz?

„Ich will eh nur bis 60 arbeiten“

Viele haben den Plan, mit 60 in Rente zu gehen. Stell dir vor, du planst mit 60 aufzuhören, doch mit 52 zwingt dich eine schwere Krankheit in die BU. Ohne BU-Rente bis 67 müsstest du 15 Jahre überbrücken –  das schafft kaum jemand. Die Alternative, vorzeitige Altersrente mit Abschlägen oder sogar Sozialhilfe, möchte niemand freiwillig in Anspruch nehmen.

„Ich baue bis dahin Vermögen auf“

Vermögensaufbau ist wichtig, aber kein Ersatz für eine lange BU-Laufzeit. Beispiel: 300.000 € Erspartes mögen reichen, um 7 Jahre á 2.500 € zu überbrücken – doch dieses Polster haben die wenigsten bis 60 angespart. Inflation, Lebenshaltungskosten und vor allem die fehlenden Sparmöglichkeiten während einer BU-Phase lassen dein Kapital oft nicht in dem Maße anwachsen, wie du es dir wünschst.

Reduziere die Laufzeit wirklich nur dann, wenn du bereits ein ausreichendes finanzielles Polster sicher aufgebaut hast. Andernfalls riskierst du, im Bedarfsfall ohne Schutz dazustehen.

Der Verlängerungs-Mythos

Gerade jüngere Versicherte glauben, sie könnten einen bis 60 laufenden Vertrag später problemlos auf 67 verlängern. Eine nachträgliche Verlängerung der BU ist fast nie möglich.  Denn in der Realität sind solche Verlängerungen ohne erneute Risikoprüfung selten – und selbst bei bestehenden Optionen meist ausschließlich an ursprünglich bis 67 abgeschlossene Verträge gebunden. Verlass dich nicht darauf, nachträglich die Laufzeit ausdehnen zu können.

Kurz gesagt: Die gängigen Argumente für Endalter 60 halten einer Prüfung nicht stand – das Risiko bleibt erheblich.

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Wie stark steigen die Beiträge mit dem Endalter 67?

Je nach Tarif, Alter und Gesundheitsprofil kann dein Beitrag um etwa 50 –80 % steigen.

Beispiel: Ein 30-jähriger Bürokaufmann, Nichtraucher, mit 1.500 € monatlicher BU-Rente zahlt bis Endalter 60 ca. 40 €/Monat (≈ 480 €/Jahr) und bis Endalter 67 ca. 70 €/Monat (≈ 840 €/Jahr) – 73 % Mehrbeitrag bei sieben Jahre längerem Schutz.

Profil Endalter 60 Endalter 67
30 J., Bürokaufmann, Nichtraucher, 1.500 € BU-Rente/Monat ~ 40 €/Monat (≈ 480 €/Jahr) ~ 70 €/Monat (≈ 840 €/Jahr)
Achtung:

Manche Tarife listen zwar eine Leistungsdauer bis 67, beenden den Vertrag aber schon mit 60 (Vertragsdauer)!

Konsequenz: Tritt die BU erst nach Vertragsende (Bsp. mit 61 Jahren) ein, bleibt die Rente aus, obwohl die Leistungsdauer formal weiterläuft.

Warum steigt der Beitrag?

  • Längere Absicherung: Du zahlst sieben Jahre länger für deinen BU-Schutz.
  • Altersbedingtes Risiko: Mit jedem Lebensjahr wächst die statistische Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit.

So wird klar: Der höhere Beitrag fällt nicht nur wegen der längeren Laufzeit an, sondern spiegelt auch das steigende Risiko im Alter wider.

Was ist mit Splitting-Modellen gemeint?

Splitting-Modelle kombinieren eine Basis-BU bis 67 mit einer Zusatz-BU bis 60 und ermöglichen so eine kostengünstige Absicherung kurzfristiger Verpflichtungen, ohne die langfristige Absicherung zu gefährden.

Ein Modell, das einige Makler empfehlen, ist eine Basis-BU bis 67 Jahre, ergänzt durch eine zusätzliche BU bis 60 für kurzfristige finanzielle Verpflichtungen wie Kreditraten.

Vorsicht: Splitting-Modelle funktionieren nur dann sinnvoll, wenn deine Basis-Police bis 67 bereits den kompletten Lebensbedarf abdeckt. Ansonsten riskierst du, mehrere Lücken in deinem Schutz zu haben: Erstens die befristete Zusatz-BU, die nach 60 endet, und zweitens die Basis-BU, die im Worst Case nicht ausreicht, um alle Ausgaben zu decken.

Empfehlung:

Setze besser auf einen einzigen Vertrag bis 67 mit ausreichender Rentenhöhe und nutze bei Bedarf die Nachversicherungs-Option, um deine Rente bei Gehaltssteigerungen, Heirat, Hauskauf oder anderen Lebensereignissen ohne Gesundheitsprüfung anzupassen.

Welche Vorteile bieten Verlängerungsoptionen & Nachversicherung?

Verlängerungsoptionen und Nachversicherungs-Garantien sichern dir einen flexibel anpassbaren BU-Schutz, der sich ohne erneute Gesundheitsprüfung an Gehaltsentwicklung, Lebensereignisse und steigende Renteneintrittsalter anpasst.

Im Detail:
  • Nachversicherungs-Garantie:
    Du kannst deine BU-Rente bei Gehaltssteigerung, Heirat oder Immobilienkauf nachträglich erhöhen – ohne neue Risikoprüfung. So bleibst du immer angemessen abgesichert, selbst wenn dein Lebensstandard steigt.
  • Verlängerungs-Option:
    Sie passt dein ursprünglich vereinbartes Endalter automatisch an ein künftiges, höheres gesetzliches Renteneintrittsalter (z. B. 67 → 70) an oder erlaubt dir, die Laufzeit manuell zu verlängern, solange du nicht berufsunfähig bist. So vermeidest du Lücken, selbst wenn sich das Rentenalter in Zukunft verschiebt.
Beispiele für Premium-Tarife mit beiden Optionen:
  • LV 1871 BU mit „ZukunftsGarantie“ – Verlängerung bis zukünftiges Rentenalter & flexible Nachversicherungsgarantien.
  • Gothaer BU (Premium-Tarif) – Flexibler Schutz mit automatischer Anpassung des Endalters.
  • Baloise BU – flexible Erhöhungsmöglichkeiten mit automatischer Verlängerungsoption, selbst wenn das ursprüngliche Endalter nicht bis 67 Jahren vereinbart war.
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Helden-Tipp

Achte unbedingt darauf, dass deine BU eine kostenfreie Nachversicherungs-Garantie ohne erneute Risikoprüfung bei Lebensereignissen sowie eine automatische Verlängerungs-Option zur Anpassung des Endalters an das künftige gesetzliche Rentenalter enthält – so bleibt dein Schutz über 60 hinweg lückenlos.

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Steuerliche Vorteile einer BU bis zum Rentenalter

Welche Steuervorteile sichert dir eine BU-Laufzeit bis 67 Jahre?

Eine lange BU-Laufzeit bringt dir gleich doppelt Entlastung: heute in der Steuererklärung und später im Leistungsfall.

  • Absetzbare Beiträge (§ 10 EStG):
    Du kannst deine BU-Beiträge bis zu den Höchstgrenzen 1.900 € (Arbeitnehmer) bzw. 2.800 € (Selbständige) als Vorsorgeaufwendungen absetzen und senkst so dein zu versteuerndes Einkommen.
  • Geringerer Steueranteil auf die BU-Rente:
    Im Leistungsfall wird nicht die volle Rente, sondern nur der Ertragsanteil versteuert. Dieser sinkt mit längerer Bezugsdauer.

Beispiel: Bei 30 Jahren Laufzeit liegt der Ertragsanteil nur bei 30 %. Von einer BU-Rente in Höhe von 1.500 € versteuerst du also nur 450 € im Jahr.

Voraussetzung: Diese Steuervorteile gelten nur, wenn deine BU bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter (derzeit 67 Jahre) läuft.

Praxis-Tipp:

Achte bereits beim Abschluss darauf, dein Endalter bis 67 zu wählen, um

1. den vollen Steuerabzug bei den Beiträgen und

2. die geringstmögliche Steuerlast auf deine BU-Rente im Ernstfall
zu garantieren.

Mehr zu steuerlichen Vorteilen in unserem Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung und Steuern

Häufige Fehler & Checkliste zum gewählten Endalter
  • Endalter zu niedrig: Spare nicht am falschen Ende. Eine zu kurze Laufzeit kann für dich im Ernstfall Zahlungsunfähigkeit bedeuten.
  • Vertragsende ≠ Leistungsende: Achte darauf, dass beide übereinstimmen, sonst entsteht eine Lücke.
  • Verlängerung erwarten: Prüfe, ob dein Tarif überhaupt eine Verlängerungsoption bietet und wie sie gilt.
  • Versorgungslücke unterschätzen: Kalkuliere deine potenzielle BU-Phase genau, rechne Lücke und notwendiges Kapital nach.
  • Steuerliche Fördervoraussetzungen ignorieren: Nur Verträge bis zum Renteneintritt erlauben volle Absetzbarkeit.
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Helden-Fazit: Lieber bis 67 absichern

Du siehst, eine BU mit Endalter 60 mag kurzfristig Beiträge sparen, riskiert aber eine schmerzhafte Versorgungslücke. Unsere Empfehlung lautet daher: Wähle nach Möglichkeit das Endalter 67 (aktuelles Renteneintrittsalter).

Ergänzend dazu empfiehlt es sich, alle Nachversicherungs- und Verlängerungsoptionen zu nutzen, damit du deinen Schutz bei Gehaltssteigerungen oder einer Anhebung des Renteneintrittsalters ohne erneute Gesundheitsprüfung anpassen kannst.

Darüber hinaus profitierst du von steuerlichen Vorteilen, indem du deine Beiträge bis zur Höchstgrenze in der Steuererklärung geltend machst und im Leistungsfall nur den Ertragsanteil deiner BU-Rente versteuern musst.

Lass dich am besten unabhängig beraten. Ein Experte kann dir helfen, den passenden Tarif mit allen sinnvollen Optionen zu finden und deinen individuellen Bedarf genau zu ermitteln – so vermeidest du teure Fehler und kannst beruhigt in die Zukunft blicken.

Mit der richtigen Laufzeit und Beratung bist du optimal für alle Eventualitäten gewappnet.

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FAQ

1. Ich werde mit 35 berufsunfähig, mein Vertrag läuft aber nur bis 60 – was nun?

Du erhältst nur 25 Jahre Rente statt 32. Die sieben Jahre bis zur Rente musst du selbst finanzieren – in der Regel für die meisten unrealistisch.

2. Kann ich meine BU-Laufzeit im Nachhinein verlängern?

Nur mit einer speziellen Option bei Rentenerhöhung (z. B. 67→70). Eine Standardverlängerung ist praktisch ausgeschlossen.

3. Wie groß ist die Beitragsdifferenz zwischen Endalter 60 und 67?

Die Prämie für eine BU bis 67 ist je nach Berufs- und Gesundheitsprofil meist 35–70 % höher als bei Endalter 60 (pro eingespartem Jahr ca. 5–10 % Aufschlag).

4. Welche steuerlichen Vorteile bietet eine BU bis 67?

Du kannst die BU-Beiträge als Vorsorgeaufwendung absetzen (gemäß § 10 EStG). Im Leistungsfall ist nur der Ertragsanteil deiner BU-Rente steuerpflichtig.

5. Ist eine zweite befristete BU bis 60 sinnvoll?

Nur, wenn deine Basis-Police bis 67 den gesamten Bedarf deckt. Ansonsten riskierst du du eine Versorgungslücke ab 60.

6. Was passiert, wenn du erst nach Ablauf deines BU-Vertrags berufsunfähig wirst?

Tritt deine Berufsunfähigkeit nach dem Endalter ein, stellt der Versicherer jede Rentenzahlung ein – auch wenn die Leistungsdauer sonst noch laufen würde. Das heißt konkret: Ohne aktive Police kein Anspruch auf BU-Rente. Stelle daher sicher, dass deine Laufzeit deine gesamte voraussichtliche Rentenbezugsdauer abdeckt, und nutze Verlängerungsoptionen, um auch unvorhergesehene Verschiebungen des Renteneintritts zu berücksichtigen.

7. Wie finde ich den passenden BU-Tarif mit Verlängerungsklausel?

Vergleiche im Beratungsgespräch gezielt Premium-Tarife und prüfe in den AVB, ob sie sowohl eine kostenfreie Nachversicherungs-Garantie als auch eine automatische Verlängerungs-Option enthalten – achte dabei auf Fristen, Anlässe, Höchstbeträge und die klare Formulierung, dass Laufzeitanpassungen ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich sind.

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